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Joseph Beuys - Portrait von Ralph Ueltzhoeffer
Joseph Beuys: Text-Portrait (Kozeptkunst) von Ralph Ueltzhoeffer.

Joseph Beuys, einer der bekanntesten deutschen Aktionskünstler, Zeichner und Bildhauer u.A. Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. (*12. Mai 1921 in Krefeld; †23. Januar 1986 in Düsseldorf). Die Ebert Stiftung zeigt einige seiner bedeutesten Installationen.

Die Überlieferung benennt die Worte – «Ich will meine Berge sehen» – als den angeblich letzten Wunsch des Malers Giovanni Segantini (1858-1899), den dieser im Angesicht des Todes in den Schweizer Bergen geäussert haben soll. Auf Personen angesprochen, die sein Denken beeinflusst haben oder zu denen er eine gewisse Affinität verspüre, nennt Joseph Beuys wenige Namen bildender Künstler. Edvard Munch, Vincent van Gogh und Giovanni Segantini waren ihm eine Art «Dreigestirn». Die Tiefendimension der Seele bei Munch, ebenso sinnlich wie die Wesensschau bei van Gogh und die Harmonie seelischer Naturverbundenheit bei Segantini stellen individuelle Lösungsversuche einer Zeitsituation – für Beuys – das Wagnis eines spirituellen Grundversuches zu einer ganzheitlichen Weltsicht dar. Segantini, 1858 geboren, sieht die beginnende Abwanderung in die Städte, wo die anbrechende Industrialisierung soziale Not verursacht in frühester Jugend in Mailand und wählt die Bergwelt nicht nur zum herausragenden Bildthema, sondern auch zu seinem persönlichen Lebensraum. Die unzeitgemässe Suche nach einem verlorenen Paradies, die ihn zuerst in Savognin, später in Maloja, beides Orte im Randgebiet der Schweiz, sesshaft werden lässt, muss nicht als Weltflucht vorgestellt sein. Wenngleich er, entgegen der aktuellen Strömung des «sozialen Realismus» symbolistische Idealbilder zur Verherrlichung von Mensch und Natur malt und die tristen Verhältnisse des anbrechenden Maschinenzeitalters aus seiner Kunst ausklammert, so reflektiert er die Probleme seiner Zeit vielleicht gerade darin auf seine Art eines «Gegenbildentwurfes» – um bewusst einen Terminus von Beuys zu gebrauchen. (Mehr zum Thema Joseph Beuys: Kunstforum) Mag die Wahl des Titels für das von Beuys am 17.8.1971 im Stedelijk van Abbemuseum in Eindhoven erstellte Environment auch als Reverenz an Giovanni Segantini verstanden werden, bietet sich nichtsdestoweniger ein Bruch, da sich die Bezeichnung für die vorgeführten Dinge viceversa gesehen als nicht evident erweist.1 Die Bestandesaufnahme der optisch wahrnehmbaren Gegenstände ruft bei flüchtiger erster Betrachtung den Eindruck einer verlassenen Kammer hervor. Read More